Interview mit Lilija von Orbasics – Crowdfundingkampagne erfolgreich rocken

Interview mit Lilija von Orbasics – Crowdfundingkampagne erfolgreich rocken

Lilija von Orbasics und ich hatten während Ihrer Crowdfundingkampagne das Glück, zusammen zu arbeiten. Freut mich sehr, dass Du mir nach übertroffenem Kampagnenziel nochmal verrätst, wie Du es geschafft hast, über 16.000 € für Dein neu gegründetes Kindermode Label einzusammeln.

Wann bist Du auf die Idee für Orbasics gekommen und was waren Deine ersten Schritte?

Die Idee zu Orbasics kam mir Anfang 2017, als ich Sharktank, dem amerikanischen Äquivalent zu Höhle der Löwen, viel geschaut habe. Bei Sharktank gab es mal eine Folge, in der sich ein Label für Basics vorgestellt hat. Die Basics waren für Erwachsene. So kam ich auf die Idee für ein Konzept, weil ich schon selbst für meine Tochter nachhaltige und schöne Basics für einen vernünftigen Preis gesucht, aber leider nie gefunden habe.

Damals habe ich schon einen Kinderblog betrieben, für den ich auch auf Messen fahren konnte. Da ich aber Produktmensch bin, wollte ich irgendwann eigene Produkte erschaffen, etwas zum Anfassen herstellen. So kam ich auf die Idee, es einfach selbst zu machen.

Als Nächstes habe ich einen Plan gemacht. Damals hatte ich ja noch keine Ahnung, wie ich an Preise oder Produktionsmöglichkeiten komme. In meiner Rolle als Bloggerin konnte ich auf den Messen einiges herausfinden. Anschließend habe ich mich auf die Recherche nach einem Produzenten gestürzt und step by step Antworten auf all meine Fragen gefunden.

Wie kam es dann zu der Entscheidung für die Crowdfunding-Kampagne? War das Deine einzige Kapitalquelle?

Nein, das war nicht meine einzige Kapitalquelle. Die Kampagne war eher als Marketinginstrument hilfreich, und nicht nur als Finanzierungsmöglichkeit. Das wusste ich vor der Kampagne nicht. Mit Hilfe von Crowdfunding kann man gut überprüfen, ob das Produkt am Markt funktioniert und Abnehmer findet.

Mir war allerdings davor schon bewusst, dass ich mein Label nicht alleine durch die Kampagne finanzieren konnte. Deshalb habe ich zusätzlich einen Bankkredit aufgenommen.

Wenn ich mich mit Freunden über die Möglichkeit unterhalten habe, so haben die meisten mir dazu geraten, eine Crowdfunding Kampagne zu starten.  Ich wusste das so eine Kickstarter-Kampagne nervenaufreibend ist. Aber am Ende habe ich beschlossen, meiner Angst ins Gesicht zu sehen und mich für Kickstarter enschieden.  Das habe ich bis heute nicht bereut.

Was hast Du vor der Crowdfunding-Kampagne gemacht, damit sie erfolgreich wird?

Als Vorbereitungszeit hatte ich etwa einen Monat, rückblickend empfehle ich zwei Monate. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich gut vorbereitet war. Ich hatte schon viel gutes Material wie Texte und Fotos, mit denen ich arbeiten konnte. Dann habe ich mit einigen Bloggern und Influencern Kontakt aufgenommen, damit sie Artikel und Bilder (Instagram) über meine Aktion veröffentlichen. Auf Udemy und Skillshare habe ich einige Videos rund um eine Crowdfunding Kampagne geschaut. Ich habe mit sehr vielen Leuten gesprochen, mir sehr viele Infos eingeholt, woraus ich dann einen Marketing Plan entwickelt habe.

Ein weiteres Learning ist, dass ich beim nächsten Mal mehr Samples bestellen würde, um sie an passende Influencer zu verteilen. Das habe ich unterschätzt.

Einige der Basics von orbasics

Wie war die Arbeit während der Kampagne? Hattest Du alles durchgeplant?

Man kann sagen, dass ich eher reagiert, als agiert habe. Ich habe es total unterschätzt, wie viel Reichweite man für einen Kampagnen Erfolg braucht – ich dachte mit 10 Bloggern kann man starten, aus meiner Erfahrung braucht man aber eher 100-500 internationale Influencer.

Ich hatte keine feste Struktur, es gab to dos und dann zusätzliche Dinge, die passiert sind und auf die ich reagieren musste. Ich hätte auch eine Projektassistenz mit an Bord holen sollen.

Was die Influencer betrifft, habe ich teilweise auch auf die falschen Pferde gesetzt. Da muss man sehr viel austesten, tatsächlich haben Sachen funktioniert, von denen ich’s nicht erwartet hätte. Deshalb ist es auf jeden Fall wichtig, viel auszuprobieren.

Dann hast Du Dein Ziel tatsächlich übertroffen, wow. Nochmal meine Glückwünsche. Was hat das für Orbasics bedeutet, dass die Kampagne erfolgreich war?

Viel: Man hat eine lebenslange Publikation auf Kickstarter (erfolgreich abgeschlossene Kampagne). Dadurch dass es gut lief, war das eine enorme Bestätigung, fast wie das Siegel „bestanden“. Die Publikation ist natürlich auch ein super Backlink für meinen Onlineshop.

Vor der Kampagne musste ich sehr viel für neue Anmeldungen in meinem Newsletter tun, jetzt kommen viele Anmeldungen auch von selbst.

Die Unterstützer bekommen nicht nur die Ware, sondern viele sind auch schon zu echten Fans geworden, die Orbasics auch an Freunde und Familie weiterempfehlen.

Was mich besonders Stolz macht: Durch meine Story und die Art der Ansprache konnte ich viele Mütter inspirieren und bestärken ihre eigenen Projekte voranzutreiben.  

Wirtschaftlich gesehen entstanden daraus über 200 Bestellungen, was auch ein super Start ist.

Deine Geheimrezeptur: Was waren aus Deiner Sicht zusammengefasst die Erfolgsfaktoren für die Kampagne?

Wenn du dich dafür entscheidest musst du Vollgas geben, dran bleiben, viele verschiedene Sachen probieren und niemals aufgeben. Es ist in der Regel kein Selbstläufer.

Ich empfehle auch, dass man sich nicht 5 Sachen gleichzeitig vornimmt, sondern viel ausprobiert und sich auch nicht zu schade für herausfordernde Aktionen ist.

Klar, ein gutes Produkt gehört auch dazu, selbstverständlich. Die Arbeit dahinter muss solide sein. Das musst Du vorher auch schon mal selbst überprüfen und Deine Hausaufgaben machen.

Alles in Allem: Man muss daran glauben und wirklich überzeugt von der Idee sein.

Was sind aus Deiner Sicht Fehler gewesen?

Ich hätte von Anfang an mehr Influencer ansprechen müssen, und für diese eine viel größere Menge Samples vorhalten müssen. Das Versendender vorhandenen Samples hätte ich schlauer organisieren können.

Die Manpower hätte ich aufstocken können, eine Projektassistenz für 6-8 Wochen hätte mir sehr geholfen.

Ein weiterer Punkt, den ich beim nächsten Mal anders machen würde: Die Pressearbeit hätte besser vorbereitet sein können.

Lilija Bairamova ist die Gründerin von Orbasics

Wie war die Kampagne mental für Dich? Ich habe das ja backstage mitverfolgen können, aber vielleicht verrätst Du meinen Lesern auch, wie Du Dich während dessen gefühlt hast?

Vor dem Projekt habe ich mich bereit gefühlt, ich war sozusagen kampfbereit. Als es losging, wurde ich überrollt. Es war wie eine Achterbahnfahrt, Du weißt nicht, was Dich hinter der nächsten Ecke erwartet. Mit dieser Herausforderung musste ich umgehen.

Das kostet sehr viel Kraft und familiäre Einbußen. Konflikte in der Familie sind vorprogrammiert.

Nach dieser kraftraubenden Zeit war ich sehr erschöpft, was meine Freude etwas gedämpft hat. Danach sollte man auf jeden Fall eine Erholungsphase einplanen. Die ganze Arbeit sollte man am besten teilweise vorher machen, also so viel wie möglich vorbereiten.

Was war der beste Ratschlag, den Du bekommen hast?

Es wird herausfordernd. Hätte ich das nicht gewusst, hätte ich es nicht ausgehalten. Das hat mich sehr gut mental vorbereitet. Ich bin wirklich an meine Grenzen gekommen.

Wie geht es jetzt für Dich bzw. Orbasics weiter?

Der Onlineshop Launch hat nochmal einiges an Arbeit benötigt. Inzwischen ist der Shop endlich online. Jetzt müssen “nur noch” die Produkte verschickt werden, die meine Unterstützer mit Ihrem Beitrag erworben haben.

Orbasics wird auch im Luna Lookbook gezeigt. Das freut mich sehr und ist eine Bestätigung, dass Orbasics jetzt schon gut auf dem deutschen Markt ankommt.

Meine Reise mit Orbasics beginnt erst jetzt. Mir ist wichtig, nicht nur die Marke aufzubauen, sondern auch die Community mit echten Menschen dahinter.

Lieben Dank für die vielen Informationen. Das hilft bestimmt dem Ein oder Anderen, der Deine Kampagne verfolgt hat.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.