Top Einzelhändler für Dein Modelabel finden- Die Schritt-für-Schritt-Anleitung!

Top Einzelhändler für Dein Modelabel finden- Die Schritt-für-Schritt-Anleitung!

Einzelhändler-für-Modelabel

Wie Du den Vertrieb an die Einzelhändler für Dein Modelabel aufbaust, hast Du bereits in unserem spannenden Artikel, Verkauf Deiner Mode erfahren. Heute gehen wir noch einmal detailliert darauf ein, wie Du diese ersten zehn Einzelhändler finden- und als Kunden gewinnen kannst.

7 Schritte, wie Du die ersten wegweisenden Kunden finden kannst

Schritt 1: Kenne Deine Kundin / Deinen Kunden

Du solltest Dir darüber klar werden, in welchem Segment Du Deine Mode siehst und das in Einklang damit bringen, wo der Kunde Deine Mode sieht beziehungsweise welcher Kunde Deine Mode nachfragt. Du kennst vielleicht auch diese Unternehmen, die ihre Zielgruppe immer 10-20 Jahre jünger machen, um attraktiver für Bewerber und Co. zu sein, als die tatsächliche Kundin eigentlich ist. Meiner Meinung nach hat sich der Jugendwahn etwas entspannt, daher schadet es Dir nicht, wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist, was das Alter Deiner Kundin betrifft. Neben dem Alter spielen auch andere Aspekte eine Rolle, am besten Du fertigst ein sogenanntes Persona an, um Dir ein genaues Bild Deines Zielkunden zu verschaffen.

Wenn Du das weißt, solltest Du diese Zielgruppe intensiv beobachten, zum Beispiel mit Hilfe eines Storechecks. Was macht Deine Zielgruppe, wo kauft sie ein, wie sieht ihr Alltag aus, welchen Freizeitaktivitäten geht sie nach, was ist ihr bei Kleidung wichtig?

Schritt 2: Zielsetzung für den Vertrieb

In dem oben genannten Artikel über Vertriebsaufbau habe ich Dir beschrieben, wie Du Deine Ziele für den Vertrieb setzt. Nur so viel: Wenn Du weißt, wer Dein Produkt nachfragt, also Deine Zielgruppe ist, solltest Du Dir messbare Ziele setzen. Wann willst Du was womit erreicht haben? Achte dabei darauf, dass auch ein Fremder Deine Ziele objektiv überprüfen kann. Das hilft Dir dabei, Deine Meilensteine auch wirklich zu erreichen.

Wenn Du also Dein Ziel definiert hast, das ungefähr so aussehen kann „Marktführer in Europa für funktionale, vegane und gut designte Handtaschen im mittleren Preissegment“, dann hast Du die Vorbereitungen für den nächsten Schritt getroffen, der wie folgt aussieht:

Schritt 3: Recherche passender Händler

Überlege Dir, in welchem Land Du Dein Produkt launchen, also auf den Markt bringen willst. Ist Deine Muttersprache deutsch, Dein Produkt passt auf den deutschen Markt und Du lebst hier? Dann sprechen aus unserer Sicht sehr viele Aspekte dafür, das Produkt im Inland auf den Markt zu bringen. In unserem Beispiel fokussieren wir uns auf den deutschen Markt, da die meisten der Modelabels, die wir kennen, auf dem deutschen Markt launchen wollen bzw. gestartet sind.

Gibt es Dein Produkt schon? (Vielleicht anders, in einer anderen Qualität, oder ähnliches) Dann hast Du es etwas einfacher bei der Suche nach passenden Händlern. Du kannst Dich bei Deinen Konkurrenten umsehen. Viele Labels haben Händlerverzeichnisse auf ihrer Website. Wenn die Labels noch kleiner sind, findet man meistens alle Händler aufgelistet. Wenn die Labels größer sind, muss man einen Ort eingeben, um einen Laden in der Nähe zu finden. In diesem Falle empfehlen wir Dir, um eine gute Auswahl an Händlern zu bekommen, Dir vorher einmal 15-20 Adressen in ganz Deutschland zu notieren, anhand derer Du dann Läden in der Nähe findest. Achte dabei auf eine gute Verteilung und berücksichtige, wenn möglich, lokale Unterschiede. Outdoor und Funktionswear läuft zum Beispiel im Norden und Süden Deutschlands sehr gut. Nachteil an dieser Vorgehensweise ist, dass Du Dich später in der Händlerakquise einem mehr oder minder starkem Wettbewerb aussetzen musst (da es Dein Produkt in ähnlicher Form schon beim Händler, den Du ansprichst, gibt).

Eine ganz andere Möglichkeit ist, wenn Du die Suche direkt über den Händler startest. Du kannst Dir Einkaufsführer von den Städten besorgen und darin Geschäfte vorauswählen. Diese kleinen Hefte liegen häufig in Boutiquen, bei Frisören und Co. in jeder noch so kleinen Stadt aus, ich könnte mir aber auch vorstellen, dass man diese über das Stadtmarketing des jeweiligen Orts per Post beziehen kann. Wenn Du Dir darin einen Überblick verschafft hast, weißt Du, welche Städte interessanter vom Einzelhandel her sind und wo Du Dein Label siehst.

Schritt 4: Gezielte Ansprache passender Händler

Im nächsten Schritt solltest Du Dir überlegen, ob es Dir möglich ist, einige der Boutiquen persönlich anzuschauen. Bitte nicht: Mit Produktsamples in den Laden stürmen (am besten Samstags) und zwischen tausend Kunden auspacken. Besser: Laden in Ruhe anschauen, Sortiment screenen, Kunden beobachten, wenn es die Fluktuation zulässt, also wenig los ist, den Verkäufer fragen ob er für die Order zuständig ist. Wenn nicht, nach Kontakt fragen. Wenn ja, die Person fragen, ob man ihr ein Lookbook schicken darf oder da lassen kannst, falls Du gedruckte mit hast. Wenn sie Interesse hat, erzähl ein bisschen über Dein Label. Ansonsten warte, bis sie das Lookbook gesehen hat.

Wenn zu viele Kunden da sind, kontaktier die Boutique lieber im Nachgang telefonisch, wenn Du Dir sicher bist, dass weniger Kunden da sein müssten. Dann fragst Du am Telefon nach, ob Du das Lookbook mailen oder postalisch versenden darfst, weil das gegebenenfalls interessant für den Laden sein könnte beziehungsweise Deine Produkt aus Deiner Sicht gut ins Sortiment passen.

Schritt 5: Nachfassen nicht vergessen

Bitte lass Dich nicht entmutigen, wenn Du kein Feedback erhältst. Am besten, Du fasst nach zwei bis maximal 5 Tagen nach, falls Du das Lookbook per Email versendet hast, falls Du es per Post verschickt hast, würde ich 7-12 Tage warten.
Dann rufst Du freundlich dort an, fragst wieder nach dem Orderverantwortlichen (am besten hast Du in Schritt 4 schon eine konkrete Kontaktperson gefunden, die Du jetzt genau benennen kannst) und lässt Dich verbinden. Wenn die Person da ist, frag sie, ob sie schon Zeit hatte, in Dein Lookbook zu schauen und ob Du ihr die Kollektion persönlich zeigen darfst. Geh hier keinesfalls zu forsch vor, weil viele Händler mit schlecht und gut gemachten Lookbooks überschwemmt werden (gerade online aktive Händler). Wenn Du die Person fragst, ob sie Zeit hatte, in Dein Lookbook zu schauen, impliziert das Wertschätzung und Deine Kenntnis davon, dass ihr Alltag vollgepackt ist. Das schafft eine positive Grundstimmung.

Die Frage, ob Du ihm Deine Kollektion zeigen darfst, setzt den Einkäufer nicht unter Druck. So wird er sich eher für ja entscheiden.

Bestenfalls absolvierst Du diesen Prozess mit einem guten Vorlauf zur nächsten Orderphase. In der Winterzeit ist das tendenziell immer schwierig, da vor der Orderphase das Weihnachtsgeschäft den Einkäufer stark in Anspruch nimmt. In diesem Falle würden wir wahrscheinlich erst Anfang Januar loslegen. Problem dabei: Da die Messen direkt Anfang Januar losgehen, sind die Einkäufer zeitlich meistens ganz schön eingebunden. Besser ist da die Sommersaison, im Juli startet die Orderphase mit der Fashionweek und den Berliner Messen und Du kannst Ende Mai, Anfang Juni Deine Kontaktaufnahmen durchführen, um sicherzustellen, dass der Händler, sofern er Dein Produkt gut findet, Dich auf dem Radar hat.

Schritt 6: Persönlichen Termin wahrnehmen

Viele Händler werden Dir in diesem Schritt eine Absage erteilen. Deshalb solltest Du fürs Nachfassen auch viel Zeit einplanen. Einige werden die Kollektion aber, wenn sie gut ist, persönlich anschauen. In diesem Fall solltest Du den Termin gut vorbereiten. Sorg dafür, dass Deine Produkte super aussehen: Keine losen Fäden, schöne Bügel, gut zu transportieren, zum Beispiel mit einer transportablen Kleiderstange, Etikettierung nicht vergessen, … Stell Unterlagen zusammen, die alle wichtigen Informationen über den Artikel, Einkaufs- und Verkaufspreis, Material, Farbe, Produktion, Firma enthalten. Bitte nicht als lose Blätter, lieber kannst Du eine PDF erstellen und in eine Klappmappe (Link zu Druckerei-Produkt) packen und daraus ein nettes kleines Paket für den Händler zusammen stellen.

Bereite Dich auf mögliche Fragen vor, die neben den oben genannten Punkten auch solche Fragen beinhalten wie wie hoch Deine Marge ist, wann Du auslieferst oder wo Du noch verkaufst. Wenn Du noch keine Händler hast, sag das ehrlich, sag, dass Du den Vertrieb gerade aufbaust, aber er (der Händler) zu Deinen gewünschten ersten Kunden zählt, die Du sorgsam ausgewählt hast. Das wird ihm schmeicheln, weil er eine gewisse Exklusivität wittert und wenn das Produkt gut ist, und die Preise stimmen, wird er gegebenenfalls zuschnappen.

Schritt 7: Verkaufen & Administratives

Wenn dem Händler die Produkte gefallen, vereinbare direkt einen Ordertermin. Bei diesem Termin wird der Händler die Produkte auswählen, die ihm gefallen – vielleicht lässt er sich dabei von Dir beraten, vielleicht weiß er auch genau, was er will – und diese bei Dir kaufen. Wenn er im Juli/August ordert, musst Du ihm die Sachen zwischen Ende Januar und Mitte April ausliefern, wenn er im Januar/Februar bei Dir einkaufst, lieferst Du zwischen Juli und September aus. Bei der Order sollte also die Produktion soweit klar sein, wo und zu wann Du für wieviel produzieren lässt.

Wenn der Händler Dein Orderformular ausgefüllt und Deine AGB unterzeichnet hast, lässt Du ihm eine Auftragsbestätigung zukommen. Diese besagt noch einmal, was er in welcher Menge, Größe, Farbe wann eingekauft hat, und wann es bei ihm ist.

Nach Abschluss der Orderphase rechnest Du Deine Produktionszahlen aus, indem Du alle georderten Mengen pro Produkt, Farbe und Größe addierst und wenn gewünscht, noch eigene Produkte, zum Beispiel für Deinen Onlineshop hinzufügst. Die Aufträge kannst Du dann gesammelt an die Produktion geben.

Noch ein Tipp zum Schluss: Füge in Deiner Website eine Kontaktmöglichkeit und Informationen hinzu, damit Dich interessierte Händler leicht erreichen können. Aber achte darauf, dass Du keine Einkaufspreise preis gibst ;-).

Bist Du schon auf der Suche nach einem Einzelhändler für Dein Label? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Photo by Pete Bellis on Unsplash

 

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